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Die flexible E-Commerce Architektur der Zukunft

Posted by Marc Gasser | 18.06.15 09:23

Was früher war: die monolithische Software

Werden nebst dem Webshop als reines Web-Frontend auch die Prozesse für die Produkt-, Content- und Benutzerverwaltung sowie das Fulfillment initial umgesetzt oder umfassend erneuert, bietet ein monolithischer Ansatz meist das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis. Dank dem Einsatz von erprobten Standardsystemen lassen sich nebst den Kosten insbesondere auch die Projektrisiken auf ein Minimum reduzieren, da die Erfüllung der Business-Anforderungen anhand der bereits bestehenden Produkte direkt verifiziert werden kann. Der bedeutendste Nachteil von Standardsystemen ist die geringe Flexibilität, welche aber bei einer Neugestaltung oder einem initialen Aufbau der Umsysteme und -prozesse kaum zum tragen kommt, da aus den starren Vorgaben der Systeme direkt die eigene Prozesslandschaft geformt wird.

Bei der Auswahl der Systemkomponenten gilt es insbesondere sicherzustellen, dass sie zur strategischen Ausrichtung des Webshops passen und den Anforderungen der damit verbundenen Veränderungen und Erweiterungen gerecht werden, da die Umsetzung von vom Produkt abweichenden Anforderungen in der Regel zu sehr hohen Kosten führt.

Die Ausgangslage für den Aufbau eines Webshops in einem bestehenden Unternehmen zeigt sich jedoch bedeutend anders, falls bereits ein Umfeld von Systemen und Prozessen existiert, in welches sich der Webshop einbetten soll. Ein monolithisches System auf der Basis von Standardsystemen in diesem Umfeld in Betrieb zu nehmen, ist meist ein sehr schwieriges Unterfangen. Eine gewisse Überschneidung der bestehenden Systeme mit dem Webshop im Bezug auf Daten, Funktionalitäten und Prozesse lassen sich kaum vermeiden. Durch die unklaren Systemgrenzen entstehen Redundanzen von Daten und damit verbunden eine häufig nicht eindeutig definierte Abbildung der Businessprozesse auf die Softwaresysteme. Dies wiederum erhöht die Komplexität und verteuert den Betrieb.

schematischer Aufbau der monolithischen Architektur

schematischer Aufbau alter Architekturansatz

Der serviceorientierte Ansatz

Deshalb empfiehlt sich unter diesen Voraussetzungen eine Architektur, welche gezielt und kontrolliert mit bestehenden Systemen kommunizieren kann und die bestehenden Prozesse redundanzfrei ergänzt. Im Gegensatz zu einem monolithischen System, lässt dieser Ansatz jedoch einen Einsatz von Standardsoftware nur begrenzt zu. Um die Kosten und Risiken trotzdem tief zu halten, ist ein innovatives Konzept gefragt, welches eine effiziente Umsetzung der benötigten Funktionalität ermöglicht und die Wiederverwendbarkeit von einzelnen Komponenten sicherstellt. Die serviceorientierte Architektur bietet sich in diesem Umfeld als optimale Lösung an.

Das Kernstück bildet ein sogenannter Service Bus, welcher auf technischer Ebene, die für den Webshop notwendigen Funktionalitäten zur Verfügung stellt. Der Service Bus an sich definiert einzig die Service Endpoints, über welche eine beliebige Software auf die Funktionalität zugreifen kann. Für den Konsumenten des Services spielt es indes keine Rolle, wie und in welchem Rahmen der entsprechende Prozess ausgeführt wird. Ein Service Endpoint kann zur Abarbeitung eines Prozesses zudem selbst wieder auf andere Service Endpoints zugreifen und diese miteinander verketten. Dieser Ansatz führt zur Flexibilität, welche für einen Webshop in einem bestehenden Umfeld benötigt wird. Dank einer Vielzahl von einfachen, spezifischen Services, wird die Komplexität der Gesamtsoftware entscheidend reduziert. Bei allfälligen Änderungen oder Erweiterungen von Umsystemen wie beispielsweise dem ERP, PIM oder CRM werden einzig Anpassungen an der Implementierung des spezifischen Services fällig. Sämtliche Konsumenten des Services bleiben unangetastet.

schematischer Aufbau der serviceorientierten Architektur

Topics: E-Commerce Architecture, Middleware, Microservices, E-Commerce

Author Marc Gasser

M.Sc. in Wirtschaftsinformatik, hat in Schweden und in Zürich studiert. Fokussiert sich seit mehr als 15 Jahren auf E-Business und E-Commerce Modelle im internationalen Handel. Er ist Gründer und Verwaltungsrat von mehreren Technologie-Unternehmen.

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