Anbindung E-Procurement, Marktplätze und E-Shops

Vernetzte IT-Systeme und eine automatische Bestellungsauslösung werden in der Fachsprache E- Procurement genannt (bilateral/Plattformen).

E-Procurement ist in grossen Konzernen mittlerweile normal, wiederum aber auch zu hinterfragen, da der Aufwand, individuelle Schnittstellen anzubinden und Lieferbedingungen zu definieren, enorm gross ist. Gängig sind solche bilateralen Anbindungen im Industriebereich, um Produkte für die Produktion automatisch nachbestellen zu können.

Auch gibt es E-Procurement-Plattformen, welche dazu dienen, Einkaufsbedürfnisse einzelner Firmen elektronisch zusammenzufassen, um es dem anbietenden Unternehmen zu ermöglichen, ein automatisiertes, elektronisches Angebot abzugeben (Heinemann, 2018, S. 156, S. 157).

Marktplatz

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Ein Marktplatz ist ein Daten-, Informations- und Warenverkehr, bei welchem viele Anbieter auf viele Kunden treffen. Es ist hinsichtlich der Umsatzstärke das aktuell bedeutendste Modell im B2B- Vertrieb (Heinemann, 2018, S. 156). Aus einer im Jahr 2017 in Deutschland durch Ibi Research erstellten Studie geht hervor, dass 26 % der befragten Unternehmen einen B2B-Marktplatz für ihren B2B-Vertrieb nutzen (Wittmann und Listl, 2017, S. 12). Der grösste Vorteil von Marktplätzen sind die hohe Preistransparenz und die potenziellen Kostenersparnisse durch die Nutzung. Weder der Verkäufer noch der Käufer betreiben den Marktplatz, sondern ein Drittanbieter, ein sogenannter Vermittler (Bsp. Mercato, Simple System etc.) (Heinemann, 2018, S. 157).

KMU-Betriebe sind aus der Erfahrung aus Deutschland aufgrund der Aufwände für individuelle Schnittstellen und für Verhandlungen hinsichtlich der Bedingungen der Zusammenarbeit meistens zu klein für eine individuelle Anbindung. Deswegen haben viele B2B-Anbieter bereits auf einen E- Shop umgestellt (Heinemann, 2018, S. 23).

E-Shops

Der grösste Vorteil eines eigenen E-Shops gegenüber einem Marktplatz ist die direkte Kundenbeziehung, welche weiterhin gepflegt werden kann. Im Gegensatz zu einem Marktplatz weiss man somit, wer sein Kunde ist und man hat keine Vermittlergebühren zu bezahlen. Die Transaktionskosten in der Abwicklung werden zudem gesenkt. Ein weiteres Indiz, dass dieser Trend anhalten kann, ist der Einbezug des grossen Online Pure Players im B2B-Onlinegeschäft. Amazon stiess hier einen Trend an, welcher sich Consumerization nennt. Ein B2B-Kunde bei Amazon Supply (Business-Plattform von Amazon in den USA) ist zugleich auch B2C-Kunde auf Amazon – eine Verschmelzung nicht nur in der Nutzung, sondern auch in den Funktionalitäten. So gesehen können auch heutige B2C-Kunden von Amazon ihre bestehende Kundenbeziehung relativ einfach in eine B2B-Kundenbeziehung umwandeln. Dies geschieht über die Bekanntheit oder Services, z. B. Lieferantenkredite (Heinemann, 2018, S. 23). Die Consumerization verschafft dem B2B eine ähnliche Sprache, wie sie der B2C-Kunde schon gewöhnt ist.

Die nachfolgende Abbildung stellt die verschiedenen Formen und Geschäftsmodelle des B2B-E- Commerce übersichtlich dar:

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Geschäftsmodelle im B2B E-Commerce (Abbildung übernommen von Heinemann, 2018, S. 157)

Dieses Geschäftsmodell von Amazon ist nun bereits auch in der Schweiz angekommen: 18 % der Befragten der ibi-Research-Studie gaben an, über Markplatzplattformen wie Amazon einzukaufen. Der höchste Anteil im B2B-Online-Verkauf geschieht gemäss der Studie aber über Standard- oder selbst entwickelte Shopsysteme. Der Shopsystem-Umsatzanteil ist gemäss der Studie bereits bei über 50 % aller genutzten Möglichkeiten im B2B-E-Commerce (Wittmann und Listl, 2017, S. 12), welches im Widerspruch zu der Aussage in Kapitel 2.3.1 Abs. Marktplatz steht.